Der ganze Laden riecht dich. Nur du selbst nicht.
Sillage, Projektion, Haltbarkeit – warum deine Nase lügt
Die Person an der Kasse beugt sich vor und fragt, ob das dein Duft ist – dabei trägst du gerade mal vier Sprüher, die du selbst seit einer Stunde nicht mehr wahrnimmst. So beginnt ein aktueller Thread auf r/fragrance über Jo Malone English Pear & Freesia, den eigentlich alle für leicht halten. Die Nase gewöhnt sich nach etwa 15 Minuten an einen Dauerdruck und blendet ihn einfach aus. Deshalb riecht man selbst immer weniger als die Umgebung.
Sillage, Projektion, Haltbarkeit – drei verschiedene Dinge
Haltbarkeit ist die Zeit auf der Haut, Projektion die Reichweite im Raum, Sillage die Duftspur im Flur, wenn du längst weg bist. Genau diese Sillage nervt andere oft, und meist stecken bestimmte Moleküle dahinter: Ambroxan, der synthetische Ambrastoff, auf dem Sauvage und Glossier You basieren, riechen manche überhaupt nicht – andere empfinden ihn wie einen Schlag ins Gesicht. Darum sagt „Aber mir gefällt es“ rein gar nichts darüber aus, wie dein Sitznachbar in der Bahn deine Duftspur verkraftet.
Deine eigene Sillage riechst du nie. Die Schlange hinter dir schon.
Die Regel ist einfach: ein bis zwei Sprühstöße, unter die Kleidung oder zwischen die Schulterblätter – dann nimmt man dich auf Umarmungsdistanz wahr, nicht schon an der Kasse. Im Büro, Krankenhaus, Flugzeug oder in den Öffis: maximal einer. Und zuckrige Gourmands mit Ethylmaltol, dem Zuckerwatte-Molekül aus Angel, lässt du bei Hitze einfach ganz zu Hause. Wenn sich schon jemand beschwert hat, diskutiere nicht über Duftnoten: bedanke dich und nimm morgen einen Sprühstoß weniger – die Person, die es stört, denkt sich das nicht aus.